Gunter Reski
Künstler

Professor (Malerei)

Fata Morgana, 2021, Isenburger Schloss, Offenbach

Solo Exhibition

Auf den Bildern von Hyeonyoung Lee tauchen oft Regale und Ordnungsmöbel mit Schubladen auf. Diese gemalten/gezeichneten Sortierungs- und Aufbewahrungssysteme wirken weniger bürokratisch als es jetzt klingt. Sie werden häufig minimalistisch/kubisch vereinfacht ohne Standort gezeigt. Manchmal bestehen sie aus einer fast mikrobisch feinen Zeichnungstextur und möchten ihre eigenen Bestandteile zu verstoßen. Ein gemaltes gelb-oranges Breitwandregal zeigt auch stellenweise Anzeichen solcher Auflösung. Es scheinen aus einigen Schubladen wie aus der digitaler Sphäre zwei, drei Landschaftsbilder aufzusteigen. Man wollte Socken oder Akten suchen, aber es schweben diese Bilder hervor. Dann geht man unbestrumpft schnell spazieren? Es herrscht eine nüchterne, aber vertraute Stimmung wie kurz vor dem Aufräumen, das man besser auch sein lassen kann, weil bereits die Vorstellung davon schon genug beruhigendes mit sich bringt. So als würde der Gedanke an ein demnächst gegessenes Käsebrötchen schon den Hunger stillen können. Ein besonderes Beispiel in dieser offenen Bilderserie zeigt eine Art Wasserfall, der sich verwunderlich wie bedrohlich über die im Regal verwahrten Unterlagen, Bücher und Gegenstände ergießt. Der Wasserfall selbst ist so gekonnt gemalt, dass man in der Nähe des Bildes feuchte Finger bekommt. Alle Bilder tragen eine offene verheißungsvolle Rätselhaftigkeit in sich, die sich einer Auflösung gekonnt verweigern. Die Künstlerin selbst kennt natürlich den roten Faden für eine mögliche Entschlüsselung, hat aber keine Veranlassung dies preiszugeben. Hyeonyoung Lee arbeitet auch versiert mit Titeln und Sätzen. Ein Titel wie „Die Sorge der Substanz“ macht sofort schön schwere Knie. Oder „Wie kannst Du so etwas zu mir sagen?“ klopft beim schlechten Gewissen an, das selbstverständlich umgehend fündig wird.

Auch die sehr unterschiedlichen Macharten dieser Bilder lassen einen oft irritiert „angefasst“ im Regen stehen. Hallo, wie kommt das jetzt hierher von woher? Dieser Zug fährt ohne Abfahrt und Ankunft und die Ausstellung heißt „Fata Morgana“. Alles, was auf Bildern zu sehen ist, existiert in einem bestimmten Sinne nie. Die Vortäuschung entsteht nur mittels einer sehr dünnen Schicht aus Materialien, die unterschiedlichen Einfärbungen annehmen können. Wenn Beeindruckung entsteht, scheinen sich die Bilder mit ihrer Materialität direkt auf der Netzhaut des Betrachers/der Betrachterin abzulagern. Das ist kein Grund zur Sorge.